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Torres del Peine

Mein erster Traum wird wahr.

Oft habe ich von diesen Bergspitzen geträumt. Einmal selber dort oben stehen, vor der türkisblauen Lagune, dahinter die Spitzen der Torres del Peine.

Schon früh fahren wir los in den Nationalpark. Immer noch ist es dunkel. Heute wird ein langer Tag. Die Tour zu den Spitzen ist 11km pro Weg. Es ist kein Rundweg, wir laufen also zweimal denselben Weg. Hoch und wieder hinunter.

Morgenstimmung, die Torres im Nebel

Beim Base- und Welcome Center angekommen, ist es bereits hell und wir sind nicht die Einzigen und auch nicht die Ersten. Das Wetter spielt nicht wirklich mit, es beginnt zu nieseln. Die Spitzen sind im Nebel verhangen.

Werden wir sie überhaupt sehen?

Wird der Regen noch stärker? Schneit es sogar dort oben?

Ich habe mich doch so gefreut! Mein Ziel, mein Traum.

Wir laufen los, wie viele andere ebenfalls.

Ein Regenbogen erheitert uns, da muss ja auch die Sonne nicht mehr weit sein.

Hasen beobachten uns neugierig und hoppeln dann fort. Warnschilder erinnern uns daran, dass hier auch der Puma zuhause ist. Doch wir sehen nicht einmal eine Spur des Berglöwen.

Erst einmal wandern wir hoch, bis zum „windy pass“. Dieser macht seinem Namen alle Ehre. Es darf nicht wahr sein, wir laufen wieder hinunter, wir müssen die Talseite wechseln. Oh, all die Höhenmeter sind wieder verloren. Wenigstens hat der Regen aufgehört. Aber grau ist es immer noch.

Auf der anderen Talseite liegt das Refugio Torres del Peine. Hier könnte man auch in Baumzelten übernachten, um die Strecke aufzuteilen. Es ist auch Ausgangspunkt für einige andere Treks. Das Refugio selber ist überfüllt von Hikern, die sich bei Suppe und Tee aufwärmen.

Lastpferde bringen hier die Lebensmittel, Trinkwasser und alle nötigen Waren hin, und holen Abfall wieder zurück. Es gibt keine Strasse dorthin.

Wir machen nur kurz Pause dort, wir wollen weiter. Lange Zeit laufen wir durch einen alten Südbuchenwald. Hoch, höher, noch höher. Der Weg ist nicht immer einfach, grosse Steinbrocken liegen herum als wäre es eine ungleichmässige Steintreppe. Das kostet Kraft.

Sobald wir den Wald hinter uns haben, sehen wir nur noch eine Steinwüste steil vor uns.

Ich kommen mir vor wie unser Land Rover Defender im Kriechgang. Langsam aber stetig kämpfe ich mich hoch. Wo sind sie, die Spitzen der Torres?

Pause, Isostar, Cräcker. Weiter. Im Kriechgang.

Die letzten 100m, um die letzten Felsblöcke herum, noch höher.

Und dann, da stehen sie! Wie grosse Nadeln ragen sie in den Himmel. Wir sehen sie! Der Nebel und die Wolken streichen um die Spitzen, aber wir sehen sie!

Sogar ein Kondor gleitet noch durch die Luft. Was für ein Erlebnis!

Ich bin absolut überwältigt! Und ich habe es geschafft! Tränen der Freude, des Glücks, der Erschöpfung übernehmen mich.

Zitat von Liv: „Es sind ja au nur Berge“.

Vor lachen pruste ich grad los. Ja ja, aber es sind trotzdem spezielle Berge. 🙂

Hast du schon einmal Quesadillas im Windschutz eines Felsblockes gegessen, mit Blick auf die türkisfarbene Lagune und im Hintergrund die Nadeln des Torres del Peine?

Unschlagbar! Einfach unschlagbar!

Schatzi, ich wünschte du hättest diesen Blick und dieses Erlebnis ebenfalls miterlebt.

Die Kälte kriecht uns in die Glieder, wir machen uns auf den Rückweg.

Dieser geht uns ganz arg in die Knie, und mir noch in die Handgelenke, vom abstützen mit den Wanderstöcken.

Knieschlotternd beim Refugio angekommen, muss ich kurz pausieren und mich mit dem Bergbachwasser erfrischen.

Und da es ja derselbe Weg ist, geht es nun hoch zum „windy pass“. Zermürbend. Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.

Völlig erschöpft komme ich beim Welcome Center und Parking an. Die anderen Drei sind zwar müde, aber wohl nicht ganz so erschöpft wie ich.

Glücklich sind wir jedoch alle! Ein Highlight geschafft! Ein Traum erfüllt.

Zur Feier des Tages gehen wir in Puerto Natales fein essen. Das haben wir uns verdient.

Die Reise geht weiter, bleib dran, schau wieder vorbei in den draumur.blog.

See you!

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