in Pferde

Fjörsteinn frá Nýjabæ

Das ist Fjörsteinn. Ein echter Isländer.
Seit Frühling 2014 gehört Fjörsteinn zu unserer Familie. Fjörsteinn frá Nýjabæ.

Frá Nýjabæ – von Nýjabæ.

Und wo liegt denn nun das Nýjabæ? Island ist gross.

Google, dein Freund und Helfer: Google Maps zeigt mir Nýjabæ im Norden Islands. Nicht ganz zufällig suche ich einen Reiterhof für unsere Herbstferien in der Nähe dieses Tales.

Die ersten vier Tage unserer Ferien verbringen wir in Lýtingstaðir. www.lythorse.com. Bei einem Ausritt reiten wir über den Bergkamm und mein Blick wandert über das Kjálki, Austur-Tal. Weit hinten müsste das Nýjabæjardalur sein. Das Tal von Nýjabæ. Das Tal welches ich nun unter uns sehe, hat keine Strasse. Das ist ja für Island nichts Ungewöhnliches, aber für einen Hof mit einer Pferdezucht wäre eine Strasse sicher angebracht. Ich sehe auch keine Häuser, keine Höfe, einfach Natur pur.

Nyabaedalur
Auch die Karte bestätigt mir dies, dort drüben ist nichts, bzw. der Beginn des Hochlandes.
Ich frage Evelyn, die Betreiberin des Reiterhofes. Auch sie züchtet Islandpferde und weiss sicher, wo wir suchen müssen. Das Nachbartal ist es wirklich nicht. Anhand der isländischen Pferdedatenbank sucht Evelyn nach Fjörsteinn frá Nýjabæ. Das könnte bei Borganes sein. – Da wären wir bereits vorbeigefahren, im Westen von Island – Nein, doch bei Selfoss. Wie sein Vater Álfasteinn frá Selfossi? Nein, doch noch südlicher. Es gibt ein Nýjabær in der Nähe von Hvollsvöllur, in der Nähe der Westmänner Inseln.

Gut und schön, nur sind wir jetzt im Norden und Selfoss und die Westmännerinseln liegen im südlichen Island. Dazu kommt, wir machen Familienferien und keine Recherche woher unser Fjöri kommt. Also verschiebe ich diese Idee, den Geburtsort von Fjörsteinn zu suchen wieder in den Hinterkopf.

Wir reisen in Island wenn immer möglich mit dem Wetter. Das heisst, ein Blick auf www.vedur.is: ‚wie wird das Wetter in den kommenden Tagen?‘ Dort wo das Sonnensymbol am meisten vorkommt, in dieser Gegend wird das nächste Cottage gesucht.
Es sieht ganz so aus, dass es uns diesmal um die Insel zieht.
Vielleicht doch noch eine Gelegenheit zum richtigen Nýjabæ zu kommen? Gingen wir in die Westfjorde, hätten wir keine Gelegenheit noch in diesen verbleibenden Tagen den Heimatort von Fjörsteinn zu finden. Aber der Wettergott hilft mit. Wir reisen um die Insel gegen Süden!

Ein paar Tage und tolle Erlebnisse später, (zu diesen dann später …) sind wir in Nýjbær in der Nähe des Eyjafjallajökull. Ein riesiger Hof liegt vor uns. Mein Herz schlägt höher! Pferde sehe ich zwar viele auf den Weiden ringsum, aber auf diesem Hof sehe ich nur hunderte von Kühen und Kälbern. Der junge freundliche Bauer kommt uns entgegen und wir fragen ihn, wo den die Pferdezucht Nýjabæ ist. Wir erzählen ihm von unserem Isländer Fjörsteinn frá Nýjabæ und dass wir nun auf der Suche nach seinem Heimatort und Geburtsort sind.
Oh, er habe keine Ahnung, aber sicher sei es nicht hier. Hier seien nur Kühe. Aber, er rufe doch seiner Freundin an, sie sei „Doktorin“ der Pferde.
Lange ist er am Telefon. Oder kommt es mir einfach so lange vor? Ist es doch im Norden? Wir hätten keine Chance mehr….
Yeah, es sei in der Nähe von Selfoss. Dort gibt es eine Gegend Nýj Bær mit sechs Höfen. Auf seinem Handy zeigt er uns die Karte. Perfekt! Auf unserem Weg zum nächsten Cottage! Danke!

Nyjbaer
Die Fahrt dauert nicht mehr lange und wir finden diese Gegend tatsächlich.
Wo hat es Pferde? Nur ein paar wenige, neben einem Haus. Es ist nicht wirklich ein Hof. Wir klopfen an, machen uns mit Händeschwingen bemerkbar, denn die Bewohner sitzen gemütlich zusammen und reden. Jetzt bemerken sie uns und kommen zur Türe.
‚Ja das ist das weisse Haus weiter vorne.‘
Gut, es hat zwei, eines sieht verlassen aus, doch eher wie ein Hof. Das Andere scheint bewohnt zu sein. Wir suchen dort jemanden. Ein älterer Herr ist am werken und lärmen, und irgendwann bemerkt er uns. Wir fragen auch ihn. Wir suchen den Hof von der Pferdezucht „frá Nýjabæ. „I not speak English.“ Also ein Versuch auf isländisch: „Hver er hross frá Nýjabæ?“ „Já, hestur?“ „Já“. Immerhin hat er mich doch verstanden. Já! Er zeigt mit den Händen und erklärt uns auf isländisch. Naja, für das reichen meine spärlichen Sprach-Kenntnisse doch nicht ganz. Wir sollten zu dem grossen Hof dort drüben, ca. 500 m entfernt. Gesagt getan. Aber dieser grosse Hof ist angeschrieben mit „Austurás“ und liegt nicht mehr im Gebiet Nýj Bær. Und keine Menschenseele ist hier zu sehen, ebenso auch keine Pferdeseele. Also gehen wir wieder zurück. Meine Hoffnungen auf einen Erfolg sinken.

Wieder zurück auf dem Hof mit den weissen Häusern – gemäss den Aussagen der zwei typischen grossen Isländer – treffen wir auf einen weiteren zweibeinigen Isländer. Dieser trägt aber bestimmt nichts pferdisches auf sich, das riesige Ding in seinen Händen ist eher eine Steckachse oder Kardanwelle oder was weiss ich, irgend ein metallenes Ding mit Kreuzgelenk, welches für ein Auto passen würde aber nicht für ein Pferd. Wir sprechen ihn an. ‚Er sei nicht von hier. Er habe keine Ahnung.‘ Rund um dieses Haus sind nur Autos, alte, uralte und defekte Rosthaufen.
Praktisch vis-à-vis, auf der anderen Seite der Strasse hat es auch noch einen Hof. Lionsstaðir. Dort treffen wir auf eine Frau und sprechen sie ebenfalls an. Doch auch sie kann nur isländisch und bei ihr habe ich sehr Mühe nur ein Wort zu verstehen. Takk fyrir, so oder so.

Nun gut, allesamt trafen wir auf sehr hilfsbereite Menschen. Trotzdem habe ich mein Ziel nicht erreicht. Wahrscheinlich ist Fjörsteinn irgendwo hier geboren, oder doch in Borgarnes? Wie Evelyn zuerst gesagt hat? Oder doch im Norden? Wer weiss? Wieviele Nýj Bær gibt es noch?

Zwei Steinchen nehme ich sicherheitshalber doch von hier mit.
Vielleicht war es wirklich hier. Vielleicht auch nicht.

Wir geben auf.

Beim zurück fahren, fahren wir durch einen Hof. Austurkot ist gross angeschrieben.
Wenn jemand noch etwas von Nýjabæ weiss, dann diese hier. Ein Mann in Reithose! Los, Auto abstellen, aussteigen! Die letzte Hoffnung flackert auf!

„Excuse me please,“ und wir erzählen auch ihm von unserem Unternehmen den Geburtsort unseres Fjörsteinn’s zu finden.
„Come in, have a look at my stable.“  Ja gerne! Und auch er sucht sich durch die isländische Pferdedatenbank. ‚Ah, Stytta frá Nýjabæ, ja das war hier vorne, der weisse Hof, mit den vielen Autos. Stytta war eine Landsmót (das grösste isländische Pferdeturnier)-Siegerin. Und Álfasteinn war ein bekannter Vererber.‘
Der Züchter ist leider verstorben, erzählt er uns. Sein Sohn wollte die Zucht nicht weiterführen. Dieser sei Tierarzt, er könne uns die Telefonnummer von ihm geben.
Doch hierfür reicht uns die Zeit doch nicht mehr, morgen reisen wir nach Hause.

Und ich bin glücklich! Vielen lieben Dank an Páll Bragi Hólmarsson von Austurkot. http://www.austurkot.is.
Vielen Dank an alle hilfsbereiten Menschen und vielen vielen Dank meiner Familie, Christian und die Mädchen. Sie alle haben mich bei meiner Idee grossartig unterstützt!

Als würde mir ein Stein vom Herzen fallen. Es macht mich glücklich zu wissen, woher unser Fjörsteinn, unser Lebensstein kommt. Wieso? Das weiss ich nicht, das kann ich nicht erklären und nicht in Worte fassen. Es ist einfach ein Traum – draumur – in Erfüllung gegangen.

  

Jetzt können wir am richtigen Ort ein paar Steinchen sammeln. Für was?

Fjörsteinn

Bleib dran, schau wieder vorbei, bei mir, meinen Träumen, bei draumur.blog.

Im Jahr 2005 ist Fjörsteinn (Fjör – Leben / steinn – Stein) in Nýjbær geboren. Sohn der Stytta frá Nýjabæ und Álfasteinn frá Selfossi. Er war einige Jahre Hengst. Im Frühling 2012 wurde er in die Schweiz exportiert. Wieso war er solange Hengst und wurde dann doch exportiert? Hat dies mit seinem Züchter zu tun? Bzw. dass diese Zucht nicht weitergeführt wurde? Das weiss ich (noch) nicht. Eigentlich spielt das ja keine Rolle. Ich weiss, wo er einmal war und ich weiss, dass er jetzt ein Teil von uns ist!
Warum ich mich ausgerechnet in ihn verguckt habe …?

Bleib dran, schau wieder vorbei, bei mir, meinen Träumen, bei

draumur.blog.

Takk fyrir! Bless bless!

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Kommentar

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  1. Schöne Blog!!❤ Ich finds toll dass mer sini Heimat doch no gfunde hand!❤Ich find din Blog schön und au d Bilder vom Knufi.❤❤❤
    Das isch für de Fjöri:❤❤❤❤❤❤<3

  2. Kommdu sael og blessud, Arlette
    Vor vielen Jahren habe ich auf einem Hof Nyjabae im Borgarfjördur für ein ganzes Jahr gearbeitet. Ich durfte einen jungen, hübschen Schecken namens Skjoni nach Hause nehmen und er begleitete mich 30 (!) Jahre lang. Die Züchterin/ Bäuerin auf Nyjabae heisst Olöf Gudbrandsdottir- vielleicht stammt dein Schecke von ihr? Sie ist jetzt aber alt und so viel ich weiss nicht mehr auf dem Hof.
    Deine Erlebnisse in Island sind wunderschön beschrieben! Diesen Sommer werde ich nach langer Zeit wieder eine Reittour dort machen, wir werden Richtung Snaefellsjökull reiten, jeweils abends aber wieder zurückgebracht werden.
    Herzliche Grüsse
    Karin

Webmentions

  • Island im Herbst Teil 5 – draumur 8. April 2024

    […] Danke meiner ganzen Familie, sie haben sich ebenfalls Zeit genommen und mitgeholfen: Wir suchen den Heimatort von unserem vierbeinigen Isländer Fjörsteinn. Oh, wie […]